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Markus Gabriel, Neo-Existentialismus
Das Buch "Neo-Existenzialismus" stellt eine philosophische Sichtweise vor. Sie kritisiert die moderne wissenschaftliche Weltanschauung. Diese ist zu sehr auf die Materie konzentriert.
Es geht also weniger darum, den klassischen Existenzialismus fortzusetzen. Es geht eher um ein Problem von Körper und Geist. Das führt dann aber zu ähnlichen Ergebnissen wie der Existenzialismus. Gabriel sagt, dass der menschliche Geist vielseitig und vielschichtig ist und sich selbst bestimmen will. Das ist anders als der Szientismus und Reduktionismus.
Und damit will er also die starren Kategorien des Naturalismus infrage stellen. Das Buch beschäftigt sich mit verschiedenen Ansätzen von Dennett, Chalmers, Taylor und anderen. Gabriel entwickelt seine eigenen Argumente, indem er mit diesen Ansätzen argumentiert. Die Ansätze kritisieren Gabriel und er antwortet.
Ich stelle jetzt einige Hauptthesen vor. Die erste ist eine Kritik am Naturalismus und daran, dass man das Bewusstsein als etwas sieht, das man anfassen kann. Gabriel lehnt ab, dass das Bewusstsein nur ein Teil der Natur ist. Er argumentiert dagegen, dass Bewusstsein nur vom Gehirn kommt. Er sagt, dass es verschiedene Arten von Bewusstsein gibt, die nicht alle vom Gehirn kommen.
„Neoexistenzialismus ist die Ansicht, dass es kein einzelnes Phänomen oder keine einzelne Realität gibt, die dem letztlich sehr verworrenen Sammelbegriff das Bewusstsein (the mind) entspricht.“
Gabriel lehnt es ab, Bewusstsein auf Gehirn-Prozesse zu reduzieren. Er definiert Geist als Vermögen von Selbstbildfähigkeit und Selbstbestimmung. Das ist wie bei Sartre.
Der Geist ist also die Fähigkeit, ein Leben zu führen, und dabei Teil einer Umgebung zu sein, die einen selbst überschreitet.
Er hat das mit dem Atheismus in Verbindung gebracht. Es gibt also etwas, das nicht nur Teil meiner Gedanken ist, sondern noch darüber hinausgeht.
Ich kann auch sagen, dass Gabriel mit seinem Denken Heidegger ähnelt. Aber Gabriel mag Heidegger nicht so. Er findet, man darf Heidegger kritisieren und schlecht finden.
Er setzt also fort: Diese Fähigkeit sich selbst zu sehen, kann sich also auf sehr verschiedene Arten zeigen, und zwar sowohl in richtigen als auch in falschen Vorstellungen von uns selbst. Das ist nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass wir uns selbst bestimmen können und uns immer wieder neu erfinden können.
Geist ist die Fähigkeit, ein Leben vorzustellen, in dem wir Menschen Teil einer Umgebung sind, die uns überschreitet.
Dieses Vermögen, unsere Selbstbildfähigkeit, lässt sich auf vielfältige Weise ausüben. Es geht nicht um richtig und falsch, sondern darum, sich selbst zu verstehen. Dafür ist Gabriels Unterscheidung zwischen Universum und Welt wichtig.
„Ich unterscheide zwischen dem Universum und der Welt. Wo Ersteres auf den Gegenstandsbereich referiert, der von unseren besten Naturwissenschaften untersucht wird, ist Letztere der hypothetisch allumfassende Gegenstandsbereich.“
„Wir sollten die Welt weder als allumfassenden Gegenstandsbereich noch als einen allumfassenden Bereich der Tatsachen verstehen, sondern viel mehr als das, was ich das Sinnfeld aller Sinnfelder nenne.“
Gabriel sagt, dass das Universum der Bereich ist, den die Naturwissenschaften erforschen. Welt ist etwas anderes. Er hat gesagt, die Welt gibt es nicht. Welt ist also nicht dasselbe wie Universum.
Für Gabriel ist die Welt das Sinnfeld aller Sinnfelder. Tatsachen kommen nur in bestimmten Sinnfeldern vor und lassen sich nur in diesen definieren. Die Welt ist dann das Sinnfeld aller Sinnfelder. Das ist ein Bereich, der durch unsere Gedanken individuell gefüllt wird.
Gabriel's Weltanschauung besagt, dass es keinen Sinn gibt, der alles umfasst. Das Sinnfeld aller Sinnfelder bedeutet also nicht, dass in diesem Sinnfeld alle anderen Sinnfelder schon definiert werden oder wären. Es gibt also unterschiedliche Sinnfelder, die zueinander in Beziehungen stehen, aber kein umfassendes Sinnfeld.
Der Neoexistenzialismus beruht auf Gabriels Ontologie. Wer "Neoexistenzialismus" lesen will, sollte zuerst Gabriels Buch darüber lesen, warum es die Welt nicht gibt.
Seine Ideen über die Welt und das Bewusstsein haben interessante Folgen. Man kann fiktionale Dinge jetzt nicht mehr einfach als nicht existent abtun, denn sie kommen ja in einem Sinnfeld vor. Sie finden einen geeigneten Platz in diesem Sinnfeld.
Die Realität dieser erfundenen Dinge ist anders, aber nicht weniger echt. Das ist wie Husserls Epoché.
Jetzt geht es um Selbsttäuschung. Sie zeigt, wie unsere Art zu denken uns verändert.
Es gibt Vorstellungen, die unser Selbstbewusstsein nicht beeinflussen.
Er sagt, wenn man einen Fehler macht und wir zum Beispiel annehmen, dass es Bosonen gibt, die es gar nicht gibt, dann ändert das nichts an unserer Selbstwahrnehmung. Aber wenn wir uns selbst belügen, dann verändert sich unsere Selbstwahrnehmung. Was ich bei den Bosonen gemacht habe, ändert die Bosonen nicht. Aber wenn ich mich selbst belüge, ändert sich etwas in mir.
„Und in vielen Fällen ändert eine Selbsttäuschung eine Person in einem solchen Ausmaß, dass wir sie kaum wiedererkennen.“
Es gibt Irrtümer, die uns selbst betreffen, und solche, die nur das Universum betreffen.
Es geht um die Beziehung zwischen dem Universum und der Welt. Das Universum ist die Welt, die man naturwissenschaftlich betrachten kann. Gabriel sagt, dass man keinen allumfassenden Standpunkt haben kann, von dem aus man das ganze Universum überblicken könnte. Denn dieser Standpunkt müsste ja außerhalb des Universums sein.
Ein Beobachter ist immer innerhalb der Welt und des Universums. Seine Perspektive beeinflusst seine Sicht auf die Welt. Er bringt immer eine eigene Interpretation mit.
„Sicherlich kann ich mir so eine Position, von der aus ich das gesamte Universum betrachten kann, nicht auf kohärente Weise analog zu irgendeiner Position vorstellen, die ich im Format von Google Earth einnehmen kann.“
Diese Sichtweise will den Geist nicht auf Gehirn und naturwissenschaftliche Fakten reduzieren. Dadurch kann man ein anderes Verhältnis zu Werten und Normen entwickeln. Man könnte das kritisieren, denn Normen sind ja auch nur Verbindungen zwischen Nervenzellen.
Aber der Geist folgt auch eigenen Regeln. Er lässt sich also nicht nur auf Regeln beschreiben, die die Existenz von Dingen beschreiben.
Menschen haben Vorstellungen. Diese bestehen nicht nur aus Fakten, sondern auch aus Wertungen. Man muss zwischen Geist und Natur unterscheiden, um diese Wertungen angemessen würdigen zu können.
Gabriel sagt, dass Geist und Natur nicht dasselbe sind, sondern ganz unterschiedlich. Es gibt auch keine Kategorie, in der man Geist gegen Natur ausspielen könnte.
Für das Konzept Selbstbestimmung ist entscheidend, dass Geist etwas mit Aktivität zu tun hat.
„Es gibt keinen Geist, außer insofern er in eine Aktivität involviert ist.“
Geistige Phänomene passieren immer zusammen mit Aktivitäten. Das könnte an Mises erinnern, Human Action. Oder man denkt an Heidegger und wie er das "In der Welt sein" beschreibt. Das ist nämlich nie einfach nur passiv, sondern immer verbunden mit bestimmten Aktivitäten.
Von diesem Standpunkt aus kann man also ein Bild von Menschen, das nur die Natur betrachtet, ablehnen. Und dementsprechend kann man Menschen auch nicht rein animalisch oder nur naturwissenschaftlich definieren, sondern man muss insbesondere mitberücksichtigen, dass Menschen Wesen sind, die sich selbst bestimmen können.
„Wir sind unentrinnbar selbstbestimmende Tiere, self-determining animals.“
Menschen sind zwar Tiere, aber sie sind mehr als das, weil sie sich selbst verstehen und erklären können. Und jeder Mensch hat eine Geschichte. Das erinnert an Heidegger. Wie Menschen sich selbst sehen, hat also immer eine Geschichte und verändert sich ständig.
Es gibt also keine festen Regeln dafür, wie Menschen sind, außer dass sie selbstbestimmte Wesen sind.
„Daher können ganze Zivilisationen kulturelle Symbolsysteme erschaffen, die auf falschen Annahmen über das Universum beruhen und die Konsequenzen dafür haben, wer und wie sie sind.“
Der Neo-Existenzialismus ist also ein interessanter philosophischer Ansatz. Er hat zwar gewisse Ähnlichkeiten mit anderen Ansätzen, ist aber dennoch einzigartig. Er geht nicht in den traditionellen Vorstellungen auf, sondern betont, wie wichtig es ist, selbstbestimmt zu sein. Wir können uns selbst und die Welt besser verstehen, wenn wir Geschichten, Fiktion und Interpretation nutzen. Um das zu verstehen, reicht es nicht, wenn man nur die naturwissenschaftliche Sicht hat.
Es lohnt sich, das zu lesen. Gabriel liefert interessante Interpretationen von philosophischen Theorien. Sie sind anders als üblich.











