John Locke, Zweite Abhandlung über die Regierung - Zweiter Teil
- Stephan Sturm
- 6. Dez. 2024
- 13 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Dez. 2024

Im ersten Teil haben wir gesehen, dass es drei Gründe gibt, warum Menschen einen Staat gründen. Das erste Motiv besteht darin, dass die Menschen überhaupt gerne in Gesellschaft sind. Und das wird im Prinzip von Gott auch unterstützt, weil Gott gesagt hatte, es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Das zweite Motiv besteht darin, dass Menschen im Naturzustand dazu neigen, anderen Leuten Gewalt antun zu wollen und ihnen nach dem Leben zu trachten.
Das ist nicht erlaubt, und alle Menschen müssen solche Übeltäter bestrafen. Das führt zu unterschiedlichen Meinungen über das, was erlaubt ist. Deshalb ist es besser, wenn Menschen in einer Gruppe zusammenleben und festlegen, was erlaubt ist und was nicht. Wenn sich die Menschen nicht einig sind, ist es besser, eine Gesellschaft zu gründen. Dann gibt es fest eingesetzte Richter, die alle Streitigkeiten entscheiden können.
Locke sagt, dass Menschen ihr Eigentum schützen wollen. Im Naturzustand können sie ihr Eigentum nur begrenzt schützen. Darum gründen sie einen Staat, der das Eigentum schützt.
Auf dieser Grundlage muss also ein Staat gegründet werden und dafür muss definiert werden, was denn der Zweck dieses Staates ist, dieser Zweck folgt natürlich aus den Gründen und Motiven, die die Menschen haben, um diesen Staat zu gründen.
Zweck der Gesellschaft

Daraus ist im Grunde genommen schon klar, was der Zweck der Gesellschaft ist. Denn im Naturzustand ist das Eigentum nicht gesichert. Deswegen ist der wichtigste Zweck der Gesellschaft, dieses Eigentum zu sichern. Das zweite Problem ist, dass es im Naturzustand keinen allgemeinen Maßstab für Recht und Unrecht gibt.
Eigentlich gilt das Naturrecht. Das kann jeder verstehen. Aber es ist nicht klar, wie man dieses Naturrecht auslegen muss. Deshalb braucht es in einer Gesellschaft klare Gesetze und Richter, die diese Gesetze auslegen. Im Naturzustand gibt es keine Macht, die die Gesetze durchsetzen kann. Im Naturzustand muss jeder das Naturrecht durchsetzen. Aber nicht jeder hat eine Polizei oder ein Heer, um das durchzusetzen. Es ist besser, wenn man eine Gesellschaft gründet, die dann die Gesetze durchsetzt.
Die Antwort liegt auf der Hand. Obwohl er im Naturzustand ein solches Recht hat, ist der Genuss dieses Rechts sehr unsicher und ständig der Einmischung anderer ausgesetzt. Denn da jeder Mensch König ist, wie er ist und jeder Mensch ihm gleich ist und der größte Teil sich nicht streng an Recht und Gerechtigkeit hält, ist der Genuss des Eigentums, dass sie in diesem Staat besitzen, sehr ungewiss und unsicher. Der große und wichtigste Zweck der Menschen, die sich zu einem Staat zusammenschließen und sich einer Regierung unterstellen, ist daher die Bewahrung ihres Eigentums.
Im Naturzustand fehlt es an vielem für diesen Zweck. Erstens fehlt ein festes, ständiges, bekanntes, allgemein akzeptiertes und anerkanntes Recht, das als Norm für Recht und Unrecht und als allgemeiner Maßstab für die Entscheidung aller Streitigkeiten zwischen ihnen gilt. Zweitens fehlt im Naturzustand ein anerkannter und unparteiischer Richter, der befugt ist, alle Streitigkeiten nach dem geltenden Recht zu entscheiden. Drittens fehlt es im Naturzustand oft an der Macht, das Urteil, wenn es denn gerecht ist, zu stützen, es aufrechtzuerhalten und seine ordnungsgemäße Vollstreckung zu gewährleisten.

Das sind die drei Schwierigkeiten im Naturzustand. Die Gesellschaft kann sie lösen. Das Problem ist, dass es im Naturzustand niemanden gibt, der das Naturgesetz durchsetzen kann. Das zweite Problem ist, dass es unterschiedliche Meinungen geben könnte. Das dritte Problem ist, dass es natürlich Selbstjustiz gibt, was in der Gesellschaft sowieso immer ein Problem ist. Deshalb gründen Menschen einen Staat. Sie verzichten dann darauf, das Recht selbst auszulegen und durchzusetzen.
Sie geben diese Kompetenz an den Staat ab. Das hat für sie den Vorteil, dass sie nicht selber handeln müssen und jetzt einen unparteiischen Richter haben. Im Naturzustand kann jeder selber agieren.
Sie tun das, um sich und ihr Eigentum zu schützen. Die Gewalt der Gesellschaft darf nur eingesetzt werden, um Freiheit und Eigentum zu schützen. Das sind die wichtigsten Regeln, die bestimmen, was der Staat darf und was nicht.
Denn im Naturzustand hat der Mensch, abgesehen von der Freiheit der unschuldigen Lust, zwei Kräfte. Er gibt die erste Macht auf, nämlich das zu tun, was er für die Erhaltung seiner selbst und der übrigen Menschheit für angemessen hält, dass es durch die Gesetze der Gesellschaft geregelt werden kann, soweit es die Erhaltung seiner selbst und der anderen Mitglieder dieser Gesellschaft erfordert.
Die zweite Befugnis, nämlich die Strafgewalt, gibt er ganz auf und überlässt sie dem Beistand der Exekutive dieser Gesellschaft, wie es ihr Gesetz verlangt.

Wenn man in den Staat eintritt, muss man einige Rechte aufgeben. Vor allem darf man dann nicht mehr alles tun, was man will. In einem Staat ist Selbstjustiz nicht erlaubt.
Dafür muss man zuerst klären, was der Staat eigentlich tun soll. Locke sagt dazu: Der Staat muss nach festen Gesetzen regieren. Beschlüsse, Verwaltungsvorschriften oder Ähnliches sind nicht erlaubt.
Er muss unparteiische Richter einsetzen, die Streitigkeiten entscheiden. Diese dürfen keine bestimmten Leute bevorzugen. Er muss für Sicherheit sorgen, denn nur so ist das Eigentum sicher.
Wenn er das schafft, gibt es Frieden, Sicherheit und Wohlstand für alle. Die wichtigste Aufgabe in Lockes Staat ist es, Gesetze zu machen. Lockes Staat funktioniert nur, wenn er sich an Gesetze hält und nicht nach Lust und Laune entscheidet. Es muss also jemand geben, der die Gesetze macht.
Legislative Gewalt
Der Teil über die Steuern für Lockes Zeit ist besonders wichtig. Der König wollte immer mehr Steuern, die das Parlament nicht bezahlen wollte. Locke sagt, dass das nicht erlaubt ist. Der Staat darf nicht alles tun, was er will.

Er darf zum Beispiel nicht das Eigentum der Bürger antasten.
In diesen Fällen kann man immer sofort die Regierung oder das Parlament ändern. Die Legislative ist die höchste und wichtigste Gewalt. Die Legislative muss alle Verordnungen absegnen. Locke will einen Staat mit festen Gesetzen. Die Legislative hat aber auch keine absolute Macht. Die ist immer auch begrenzt durch den Gesellschaftsvertrag und das Naturrecht. Locke sagt, dass es keine absolute Gewalt geben kann. Sie hat keine Macht über das Leben und Vermögen der Menschen.
Locke sagt, dass niemand das Recht auf sein eigenes Leben hat, weil Gott darüber bestimmt. Er kann dieses Recht also niemandem geben. Er braucht sein Vermögen, um zu leben. Deshalb darf niemand etwas davon haben.
Eine Regierung darf nicht über Leben und Besitz der Bürger bestimmen. Natürlich kann man diese Macht niemandem geben. Wenn man sie selber nicht hat, konnte man sie im Naturzustand nicht haben. Deshalb kann es keine Regierung geben, in der das Volk einem Herrscher das Recht gibt, über Leben und Vermögen zu bestimmen. Diese Gesetze müssen immer mit dem Naturrecht übereinstimmen.
Sie sind nichtig, auch wenn sie von der Legislative beschlossen werden. Locke sagt, das Naturrecht kommt von Gott. Deshalb ist am Ende immer die Religion wichtig. Daraus folgt, dass es keine absolute und willkürliche Macht geben kann. Denn dann stünden sich die Menschen schlechter als im Naturzustand. Das heißt, alles, was im Gesellschaftsvertrag festgelegt wird, bestimmt auch die Grenzen der Staatsmacht.
Alles, was der Staat macht, muss im Gesellschaftsvertrag stehen. Alles, was gegen den Gesellschaftsvertrag verstößt, ist illegal.
Und der Staat kann natürlich den Bürgern kein Eigentum wegnehmen, weil ja der Schutz des Eigentums Grund für die Staatsgründung war. Das war das zentrale Motiv dafür. Und wenn die Bürger dem Staat zugestehen würden, dass er ihnen ihr Eigentum wegnehmen kann, dann ständen sie ja wiederum schlechter als vor dem Gesellschaftsvertrag und schlechter als im Naturzustand. Und man kann ihnen nicht unterstellen, dass sie diese Absicht hatten.
Diese gesetzgebende Gewalt ist nicht nur die oberste Gewalt des Staates, sondern sie ist heilig und unveränderlich in den Händen, in die die Gemeinschaft sie einmal gelegt hat. Die Regeln, die sie für das Handeln anderer Menschen aufstellen, müssen ebenso wie ihr eigenes und das Handeln anderer Menschen dem Naturrecht, das heißt dem Willen Gottes, entsprechen. Und da das grundlegende Naturgesetz die Erhaltung der Menschheit ist, kann kein menschliches Gesetz gut oder gültig sein, das ihm widerspricht. Drittens Teil seines Eigentums wegnehmen. Drittens kann die oberste Gewalt einem Menschen keinen Teil seines Eigentums ohne seine Zustimmung wegnehmen. Denn da die Erhaltung des Eigentums der Zweck der Regierung und der Grund ist, aus dem die Menschen in die Gesellschaft eintreten, setzt sie notwendigerweise voraus und verlangt, dass sie Eigentum haben.
Das ist also die wichtigste Funktion in Lockes Staat. Die Legislative ist das wichtigste Gremium im Staat. Aber es muss auch eine Regierung geben. Weil die Legislative nicht immer zusammenkommt, muss es eine ständige Vertretung geben, die jederzeit die Gesetze vollziehen kann.
Und Locke hat noch eine Spezialfunktion, das ist die Föderative, die ist für Streitigkeiten mit ausländischen Menschen zuständig und vor allen Dingen dafür, Bündnisse zu schließen mit fremden Staaten und über Krieg und Frieden zu verhandeln.
Legislative, Exekutive und Föderative

Uns interessiert natürlich in erster Linie das Verhältnis der Legislativen zu Exekutiven. In einer Demokratie sind die drei Gewalten Legislative und Exekutive voneinander getrennt. Die Regierung darf keine Gesetze machen und das Parlament führt keine Gesetze aus.
So gibt es ein Gleichgewicht der Kräfte und niemand hat zu viel Macht.

Die Exekutive ist die ausführende Gewalt. Die braucht man, damit die Gesetze eingehalten werden. Während bei Locke das Parlament nicht jeden Tag tagte, tagte es bei Gelegenheit. Normalerweise muss die Legislative nicht tagen, wenn die Gesetze nicht geändert werden müssen. Wenn ein neues Gesetz nötig ist, muss die Legislative eine gesetzliche Grundlage schaffen.

Bei Locke gibt es eine besondere Form der Regierung. In der Regel gibt es immer eine Legislative, eine Exekutive und eine Jurisdiktion. Legislative, Exekutive und Jurisdiktion sind die drei Staatsgewalten. Bei Locke übernimmt die Funktion die Jurisdiktion eigentlich auch die Legislative. Anstelle dieser Jurisdiktion hat Locke dann eine Spezialgewalt, die nämlich für außenpolitische Bündnisse, also Foedera zuständig ist. Daher kommt der Name föderative Gewalt. Das ist heute sozusagen das Außenministerium. Die föderative Gewalt entscheidet über Krieg und Frieden. Diese Fragen gab es schon zu Lockes Zeiten und sie wurden dort auch schon diskutiert. Deshalb muss es dafür eine besondere Funktion geben.
Sie umfasst daher die Befugnis über Krieg und Frieden, über Bündnisse und alle Vereinbarungen mit allen Personen und Gemeinschaften außerhalb des Staates und kann, wenn sie will, als Bundesgewalt bezeichnet werden. Das sind also die drei Gewalten im Staat von Locke, die Legislative, die Exekutive und die Föderative.
Damit die verschiedenen Gewalten zusammenarbeiten, muss es eine Rangordnung geben.
Unterordnung der Gewalten
Das ist also eine Besonderheit bei Locke, dass die Regierung sich dem Volk gegenüber quasi in einen Kriegszustand versetzen kann und es dann ein Recht auf bewaffnete Rebellionen gibt.

Normalerweise haben Staatstheoretiker das abgelehnt. Locke hat viele Möglichkeiten vorgesehen, wie man eine Regierung wieder loswerden kann. Eine Regierung kann jederzeit abgewählt werden.
Dann löst das Parlament die Regierung auf. Die Regierung auszutauschen ist einfach. Die Legislative kann ihr die Macht wieder wegnehmen. Heute geht das mit der Vertrauensfrage oder einem Misstrauensvotum. Die Regierung auszutauschen ist einfach.
So kann man eine schlechte Regierung zur Verantwortung ziehen. Auch das ist etwas Besonderes bei Locke. Die Regierung muss sich für ihre Taten verantworten.
Da geht also Locke sehr viel weiter als die meisten Staatstheoretiker das tun.
Wir müssen unterscheiden zwischen guten und schlechten Staatsformen. Wir haben ja im ersten Teil schon gesehen, dass man die Regierung unter keinen Umständen als patriarchale Regierung interpretieren kann. Die Herrschaft eines Familienvaters über die Kinder ist völlig verschieden von der Regierung in einem Staat. Deswegen ist eine väterliche Regierung von vornherein illegitim. Außerdem gibt es natürlich noch verschiedene andere Möglichkeiten eine despotische Gewalt zu definieren.
Die sind natürlich auch alle illegitim und führen dazu, dass das Volk also Widerstand leisten darf.
Despotische Gewalt
Despotische Macht ist eine absolute willkürliche Macht, die eine Person über eine andere hat, um ihr das Leben zu nehmen, wann es ihr gefällt. Dies ist eine Macht, die weder die Natur gibt, weil sie keinen solchen Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Menschen gemacht hat. Noch kann ein Vertrag sie verleihen. Denn da der Mensch über sein eigenes Leben nicht willkürlich verfügen kann, kann er es auch einem anderen Menschen nicht gewähren.
So viel ist klar. Das Recht auf eine despotische Regierung kann niemand haben, weil auch niemand das Recht hat einer Regierung eine solche willkürliche Gewalt über Leben und Vermögen zu übergeben. Ein Spezialfall von despotischer Regierung könnte die Eroberung sein. Locke schränkt aber die Rechte eines Eroberers auch sehr stark ein.
Eroberung

Die Eroberung nämlich begründet nach Locke keinen Staat, sondern zerstört nur den alten. Bei Locke wird die Gesellschaft aufgelöst, nicht nur die Regierung. Das heißt, es muss ein neuer Gesellschaftsvertrag her. Denn nur, weil man einen Krieg gewinnt, darf man andere nicht unterwerfen und zum Gehorsam zwingen. Das ist Gewalt. Gewalt ist kein Grund, um Leute zum Gehorsam zu zwingen. Nur ein Vertrag kann bestimmen, dass die Bürger gehorchen müssen. Das heißt: Der alte Staat wurde erobert. Die Gesellschaft hört auf zu existieren. Die Menschen müssen einen neuen Gesellschaftsvertrag machen und den Eroberer als Regenten einsetzen.
Der Eroberer kann seine Gegner töten. Das ist klar, denn er führt ja Krieg gegen sie. Im Krieg darf man den Gegner töten. Er darf ihr Eigentum aber nicht wegnehmen. Denn so würde er nicht nur die bestrafen, die gegen den Eroberer gekämpft haben, sondern auch deren Nachkommen. Vielleicht haben die gar nichts mit dem Krieg zu tun.
Denn sie würden ja das Erbe bekommen. Er kann das ganze Volk nicht unterjochen. Viele haben gar nicht im Heer gekämpft. Deshalb darf man ein Volk nicht unterjochen, das sich nicht gewehrt hat. Widerstand ist an sich nicht unrecht. Locke sagt, dass man sich gegen einen ungerechten Herrscher auch mit Gewalt wehren darf. Der einzige Fall, wo die Rebellion Unrecht ist, ist wenn man neue Verträge mit dem neuen Herrscher geschlossen hat und diese dann brechen würde. Das ist natürlich ein Vertragsbr uch und als solches Unrecht. Also sind auch dem Eroberer sehr starke Grenzen gesetzt bei Locke, und der kann nur mit Gewalt keine Staatsherrschaft begründen.
Das gilt für einen Tyrannen noch viel weniger. Das ist jemand, der von innen kommt und die Herrschaft übernimmt.
Tyrannei

Die Tyrannei besteht nämlich darin, dass jemand der an sich legitime Gewalt hat, diese Gewalt zu seinen eigenen Gunsten und zum Nachteil der Untertanen gebraucht. Also jemand, der einen Regierungsauftrag hatte und diesen Auftrag dann für sich selbst genutzt hat. Locke sagt, dass das auch für jemanden gilt, der vom König erlaubt bekommen hat, gegen das Gesetz zu handeln. Denn der König darf niemandem erlauben, gegen das Gesetz zu handeln. Deshalb darf niemand einen ungesetzlichen Auftrag vom König annehmen. Denn sonst wäre auch der ein Tyrann.
Dies ist der Fall, wenn jemand die Macht, die er in seinen Händen hält, nicht zum Wohle derer, die ihr unterstehen, sondern zu seinem eigenen privaten besonderen Vorteil ausnutzt. Wenn der Herrscher, wie auch immer er betitelt sein mag, nicht das Gesetz, sondern seinen Willen zur Norm macht und seine Befehle und Handlungen nicht auf die Erhaltung des Eigentums seines Volkes gerichtet sind, sondern auf die Befriedigung des eigenen Ehrgeizes, der Rache, der Lust oder einer anderen unbändigen Leidenschaft.
Locke will keine Diktatur. Locke hat deshalb genaue Regeln aufgestellt, wann eine Regierung aufgelöst werden darf.
Auflösung der Regierung
Es gibt also bei Locke diverse Gründe, die dazu führen, dass die Regierung aufgelöst wird.

Locke geht davon aus, dass es zwei verschiedene Verträge gibt: den Gesellschaftsvertrag und den Herrschaftsvertrag. Deshalb ist das bei ihm einfacher. Das heißt, wenn die Regierung aufgelöst wird, bleibt die Gesellschaft bestehen. Es gibt keinen Grund, die Gesellschaft aufzulösen. Man kann die Regierung jederzeit auflösen.
Wenn sich Menschen zu einem Staat zusammenschließen, können sie nicht mehr in den Naturzustand zurückkehren, wenn sie sich nicht von außen dazu gezwungen werden. Wenn die Menschen die Regierung auflösen, kommen sie nicht wieder in den Naturzustand. Sie wechseln einfach nur die Regierung aus. Wenn die Gesellschaft aufgelöst wird, wird auch die Regierung aufgelöst. Das passiert nur, wenn das Land von außen erobert wird.

Die Regierung kann also jederzeit aufgelöst werden, ohne dass die Gesellschaft aufgelöst wird. Es gibt viele Gründe, warum eine Regierung aufgelöst werden kann. Sie alle haben mit einer Änderung der Legislative zu tun.
Der erste Fall ist, dass jemand Gesetze gibt, obwohl er dazu nicht autorisiert wurde. Damit ist die Regierung, also der König, gemeint. Der König gibt Gesetze, die nicht legitim sind. Er ist dazu nicht autorisiert. Also muss man den Fürsten absetzen. Das passiert, wenn der Fürst einfach macht, was er will, ohne sich an die Gesetze zu halten. Das ist nicht erlaubt. Damit würde er die Legislative aufheben. Dann kann nur noch der Fürst Gesetze machen.
Das ist ein Grund, um die Regierung aufzulösen. In Lockes Zeiten wurde oft so vorgegangen, dass die Legislative daran gehindert wurde, sich zu versammeln. Dann kann die Legislative keine Gesetze mehr machen. Also muss die Regierung gewechselt werden.
Man könnte auch die Wahlmodalitäten ändern. Das ist ein beliebter Trick. Man wählt nur noch Leute, die man haben will, in die Legislative. Das ist nicht erlaubt. Das Parlament kann die Wahlmodalitäten ändern, aber nicht der Fürst.
Der vorletzte Fall ist, dass der Fürst oder das Parlament das Volk an einen anderen Staat verkauft. Das ist nicht erlaubt. Bei Locke ist es interessant, wenn die Regierung ihre Arbeit nicht macht. Dann vertraut das Volk ihr nicht mehr. So darf das Volk eine neue Regierung wählen.
Die Regierung und den Fürsten kann man also einfach absetzen. Auch die gesetzgebende Gewalt kann abgesetzt werden, wenn sie ihr Amt nicht ausüben kann, weil der König das nicht zulässt.
Wenn eine oder mehrere Personen, die nicht vom Volk ernannt worden sind, es unternehmen, Gesetze zu machen, dann machen sie Gesetze ohne Erlaubnis und das Volk ist nicht verpflichtet, ihnen zu gehorchen. Und dadurch wird sie frei von Unterwerfung und kann eine neue Legislative über sich selbst errichten, wie es ihr am besten erscheint.

Die Legislative kann also abgelöst werden, wenn bestimmte Umstände vorliegen. Wenn es um einen Vertrauensbruch der Legislative oder der Exekutive geht, ist das schwieriger festzustellen. Wenn der Fürst oder die Legislative das Vertrauen der Bürger missbrauchen, kann man sie auflösen. Wenn die Regierung oder die Legislative sich an einem Eigentum der Bürger vergreift oder sich zum Gebieter über Leben, Freiheit und Vermögen des Volkes macht, muss sie abgelöst werden. Die Menschen sind in die Gesellschaft eingetreten, um Freiheit und Eigentum zu bewahren. Wenn dieser Grund nicht mehr gilt, wollen die Menschen nichts mehr mit der Gesellschaft zu tun haben. Deshalb darf man die Gesellschaft nicht auflösen, sondern nur die Regierung oder das Parlament wechseln.
Es gibt also noch eine weitere Möglichkeit, wie Regierungen aufgelöst werden können, nämlich wenn der Gesetzgeber oder der Fürst entgegen dem in sie gesetzten Vertrauen handelt. Wer Gewalt ohne Recht braucht, wie sie in einer Gesellschaft von allen praktiziert wird, die sie ohne Recht anwenden, versetzt sich in einen Kriegszustand mit denen, gegen die er sie anwendet. Und in diesem Zustand sind alle bisherigen Pflichten aufgehoben, alle anderen Rechte existieren nicht mehr und jeder Einzelne hat das Recht, sich zu verteidigen und dem Angreifer zu widerstehen.
Das Volk hat also bei Locke sehr weitreichende Rechte. Es gibt viele Gründe, warum man die Regierung oder die Legislative auflösen kann. Bei Locke muss man nicht gleich die ganze Gesellschaft auflösen, um die Regierung aufzulösen. Eine Regierung muss aufgelöst werden, wenn die Grundlagen des Gesellschaftsvertrags und die Motive, aus denen eine Gesellschaft gegründet wurde, nicht mehr beachtet werden.
Menschen gründen eine Gesellschaft, um ihr Leben, ihre Freiheit und ihr Eigentum zu schützen. Wenn der Staat die Menschen nicht beschützt, brauchen sie keinen Staat. Dann können sie ihn auch auflösen.
Wenn die Regierung oder das Parlament Gewalt anwendet, um an der Macht zu bleiben, darf das Volk sich auch mit Gewalt wehren.
Locke geht in seiner Staatstheorie sehr weit. Man könnte auch sagen, dass die Sicherung von Freiheit, Leben und Eigentum nicht genug ist, um einen Staat zu gründen. Die Bürger müssen sich um die meisten anderen Probleme selbst kümmern.
Locke sagt nichts über soziale Gerechtigkeit. Das ist in seinem Staat nicht wichtig. Man sagt, Locke habe einen Staat der Reichen begründet. Nur Leute, die etwas besitzen, hätten ein Interesse daran.
Locke würde sagen, dass alle ein Interesse daran haben, dass es Privateigentum gibt. Denn alle profitieren davon, dass Menschen Eigentum haben. Dadurch kultivieren sie das Land und es gibt mehr Güter und damit mehr Reichtum.
Locke ist sehr liberal. Er ist liberaler als Kant, Hobbes oder Rousseau. Das ist die Grundlage für alle liberalen Gesellschaftsvorstellungen. Ob das für jeden Zweck ausreicht und ob das eine gute Grundlage für einen modernen Staat ist, kann man an anderer Stelle diskutieren.
Video zum Beitrag:


Kommentare